Interview mit Katja Wiese von Naturefund

„Wir tun viel mehr, als wir tun müssten“

24. April 2021 // 3 min Lesezeit

Katja, was treibt Dich an?

Katja Wiese: Naturefund ist mein großer Lebenstraum. Seit 2003 arbeite ich an diesem Netzwerk, um mit vereinten Kräften weltweit Lebensräume für die Natur zu kaufen und zu schützen.

Wie ist Euer Team zusammen gesetzt?

Vier MitarbeiterInnen arbeiten im Gelände. Vier MitarbeiterInnen arbeiten im Büro. Wir sind wenig, aber das Team bringt einen enorm hohen Einsatz. Anders wäre unsere Arbeit nicht möglich. Dazu kommen noch mehrere Mitarbeiter, deren Beschäftigung wir im Ausland aus unserem Mitteln finanzieren. Wir haben zwar alle gut zu tun. Aber wir nehmen uns auch Pausen. Wir essen zusammen. Wir gehen raus auf den Acker. Wir gestalten uns selbst den Tag extrem abwechslungsreich. Es ist nie Stress hier.

Wie findet Ihr die Projekte, die ihr selbst initiiert oder unterstützt?

Im Grunde ist es andersrum: Nicht wir suchen die Projekte, sondern die Projekte suchen uns. Wir werden angesprochen, dann entsteht die Nähe zu dem Projektpartnern. Wir erkennen sehr schnell, ob das Projekt zu Naturefund passt. Nehmen wir zum Beispiel Madagaskar. Ein faszinierender Lebensraum mit einer Artenvielfalt, die um ein Vielfaches die Artenvielfalt in Deutschland übersteigt. Da haben wir im Süden der Insel mit einem Projekt angefangen. Das ging dann im Westen und Norden mit weiteren Projekten weiter. Auf dieser Insel sind viele faszinierende Lebensräume vorhanden, die noch intakt sind. Leider sind viele davon in akuter Gefahr. Darum interessiert uns Madagaskar besonders.

Wie werden die CO2-Kompensationsleistungen der Projekte ermittelt?

Wenn man genau hinsieht, ist jede Berechnung eines CO2-Fußabdrucks eine Annäherung an die Realität. Für die Berechnung halten wir uns strikt an die Vorgaben der UNO. Sie hat 2003 erstmals eine Liste veröffentlicht, in der festgehalten ist, wieviel ein bestimmter Baum in einem bestimmten Land kompensiert. Inzwischen ist sie aktualisiert worden. Daran halten wir uns. Ein Beispiel: In Honduras nimmt ein Laubbaum im Schnitt 800 kg CO2 im Laufe von zwanzig Jahren auf.

Ihr zählt, was ihr angepflanzt habt?

Genau. Sehr präzise sogar. Bleiben wir bei den Bäumen. Wir können stets nachweisen, wo wir die Bäume pflanzen und wieviele, so dass alles jederzeit nachvollziehbar ist. Die tatsächliche CO2-Aufnahme ist natürlich höher. So kommen wir zu unserem Sicherheitspuffer. Wir tun immer viel mehr, als wir tun müssten, wenn es nur um Ausgleich ginge. Deshalb sorgen wir nicht nur für die Pflanzung der Bäume, sondern kümmern uns auch um eine Nachbetreuung. Darüber hinaus beziehen wir Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Sie helfen uns, die Leistungen von bestimmten Ökosystemen – Wiesen, Wasserlandschaften, Regenwald – zu bewerten. Für uns steht im Vordergrund, Öko-Systeme zu erhalten. Diese Inseln der Artenvielfalt sind so wertvoll. Wenn wir das schaffen, verbessern wir die Möglichkeit der Regeneration entscheidend.

Unterscheiden sich deutsche von internationalen Projekten?

Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns gleichermaßen um unsere Heimat wie um Ökosysteme in der ganzen Welt kümmern. In Deutschland sind vor allem Moore extrem schützenwert. Dort engagieren wir uns als Naturefund natürlich. In Deutschland sind wir auch dabei, den Dynamischen Argoforst zu etablieren. Da können wir von anderen Ländern noch vieles lernen. In anderen Ländern ist der Schutz der Naturräume vor allem deshalb wichtig, weil dort noch Urwald und Artenvielfalt vorhanden ist.

Hier geht's zum Teil 2 des Interviews

Detaillierte Informationen zum Nachhaltigkeitsprogramm One_Earth unter www.greenhiring.de


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